„Chronologie eines Albtraums“ - Ein Kunstprojekt für den Kreativwettbewerb projekteuropa, 2022

Aktualisiert: 8. Apr.



„Die COVID-19-Pandemie hat das Bildungswesen weltweit ins Chaos gestürzt.

Für etwa 1,6 Milliarden Schulkinder und Studierende bedeutete der Höhepunkt der Pandemie eine Unterbrechung ihres Unterrichts, und die Pandemie ist noch nicht vorbei.

Es geht darum, die Bildung in den Mittelpunkt umfassenderer Maßnahmen zur Überwindung der Pandemie zu stellen […]“, sagt UN-Generalsekretär António Guterres.


Was aber immer mehr ins Augenmerk des schulischen und gesellschaftlichen Lebens rückt, ist, dass die Pandemie schwere Auswirkungen auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat. Dazu meint Christin Schneider von UNICEF Deutschland: „Wir müssen das Thema aus der Tabu-Ecke holen und Kindern und jungen Menschen die Unterstützung geben, die sie brauchen."


Das diesjährige Thema des Europa-Projekts ist „Kunst Bild(et) Chancen!" und das des UNESCO-Projekts „Changing Course, Transforming Education“. Während wir uns im vorigen Schuljahr 2020/21 durch das Eintauchen in eine kreative Fantasie-Welt abgelenkt und bewusst auf das Thema Corona verzichtet haben - in der Hoffnung, dass die Pandemie schnell vorbei ist - , haben wir uns heuer für die emotionale Auseinandersetzung in Bild und Wort mit dem „Feind Corona“ entschieden.


„Kreativität ist die Fähigkeit des Menschen, seine Welt schöpferisch zu gestalten, auf die Anforderungen des Lebens zu reagieren, indem er etwas Neues erschafft. Das kleine Kind, der Mensch in seinem Alltag, der Künstler oder Wissenschaftler, alle reagieren auf Mängel, Abwesenheiten, innere Konflikte, Bedrohungen ihrer psychischen Integrität mit der kreativen Produktion von Symbolen, Vorstellungen, Werken.“ (Jürgen Grieser)


Insofern haben sich die Schüler:innen der 5A- und 5B-Klasse im BE-Unterricht auf einen kreativen Work in Progress-Prozess eingelassen. Der Ausgangspunkt waren wie immer unsere Themenpools im Fach Bildnerische Erziehung: Dadaismus, Surrealismus und Farbenlehre im Bezug zur Maltechnik - konkret grafische und malerische Techniken des Künstlers Max Ernst und seiner leeren und versteinerten Städte, welche in Chiricos metaphysischer Atmosphäre materielles und geistiges Verfallen ausdrücken. Die Schüler:innen haben verschiedene Techniken ausprobiert und diese in großformatige Gemälde einbezogen: Grattage, Frottage, Decalcomanie, Linolschnitt. Sie haben gezeichnet, collagiert, gedruckt, sowie mit Feder und Tusche geschrieben.


Jehona Shaqiri-Petritz


Erweitert wurde das Projekt Chronologie eines Albtraums, das im Fach Bildnerische Erziehung durchgeführt wurde, durch eine Schreibwerkstätte mit 12 Schüler:innen der 6. Klassen.

Ausgangspunkt war die von den 5. Klassen gestaltete Bilderfolge. Der Vormittag sollte den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich dessen bewusst zu werden, was sich in ihrem Inneren in der langen Zeit der Pandemie „abgelagert“ hat. Die jungen Menschen sollten angeregt werden, in einem Prozess des Er_Innerns schreibend auf das Erlebte und Erlittene reagieren zu können.

Der Schwerpunkt des prozessorientierten Projektes lag auf folgenden Zielen: das Wechselspiel zwischen Bildsprache und Literatur erhellen, Kunst wahrnehmen und aufnehmen als Inspiration für eigenes kreatives Handeln, die Kunst und das Schreiben als Möglichkeit erleben, sich des eigenen Ich in all seiner Verletztheit und Verletzlichkeit zu versichern.

Neben der Vorstellung verschiedener Formen des kreativen Schreibens (wie automatisches Schreiben, gelenkter Zufall, etc.) dienten ein theaterpädagogisches Assoziationsspiel sowie eine spielerische gemeinschaftliche Textproduktion als Einstieg, um ins Schreiben zu kommen. Die Auswahl des Bildes stand den Schüler:innen ebenso frei wie Textsorte und – umfang. In einem weiteren Schritt wurde eine geeignete Form des Vortrags der Texte erarbeitet.

Die an diesem Vormittag entstandenen Texte sind in schriftlicher Form beigefügt, die mündliche Präsentation aller Texte ist filmisch dokumentiert.


Astrid Eder


Ergänzt wurde das Projekt durch einen Workshop für die 5. Klassen, angeleitet und betreut von unserem Jugendcoach Gerald Dobernig:


Nach Zeiten, die geprägt waren durch Begriffe wie Lockdown, Distance Learning oder Social Distancing, in denen Schüler:innen lange Zeit auf sich selbst gestellt waren, stand Gemeinsamkeit im Mittelpunkt dieses zweistündigen Workshops. Den Schüler:innen wurde die Möglichkeit geboten, über ihre negativen, aber auch positiven Erfahrungen dieser Zeit zu reflektieren und sich auszutauschen, mit dem Ziel, diese gewonnen Ressourcen in die Zukunft mitnehmen zu können. Trotz der räumlichen Distanz offenbarten sich hier bei den Schüler:innen ähnliche Bedürfnisse und Erfahrungen, welche sich auch positiv auf das Wir-Gefühl auswirkten.

Zusätzlich wurde der Workshop von Kooperationsspielen umrahmt, welche die Klassengemeinschaft und den Spaß am gemeinsamen Tun in den Vordergrund rückten.


Gerald Dobernig.


Ein großer Dank gilt unserem Kollegen Daniel Schöffmann, der das Projekt von Anfang an dokumentiert und gefilmt hat und der das Video zum Projekt produziert hat.


Ich bedanke mich auch bei meinen Schüler:innen für Engagement, Begeisterung, Kreativität, aber auch für die notwendige Ausdauer bei diesem Projekt.


Das Projekt wurde am 01.04.2022 bei einer Ausstellung mit der Bilder-Serie „Chronologie eines Albtraums“ sowie einer Video-Präsentation in der Aula des BG Tanzenberg vorgestellt. Schüler:innen der 6. Klasse haben ihre Texte zum Projekt vorgelesen und performt.


In der Kärntner Landesregierung (Mießtaler Str. 1, Klagenfurt am Wörthersee) wird das Projekt, im Rahmen der KUBI-Tage – der Tage kultureller Bildung, am 12.04.2022, um 16 Uhr auch der Öffentlichkeit präsentiert.


Jehona Shaqiri-Petritz



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Fotos: Jehona Shaqiri-Petritz



Fotos: Daniel Schöffmann



Präsentation des Projektes "Chronologie eines Albtraums" am 01.04.2022 in der Aula des BG Tanzenberg



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